Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DEGÖB-Tagung 2019

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Welche Vorstellungen haben SchülerInnen und LehrerInnen zu Soft Skills?
C. Klitsch

Gebäude: Seminarraumgebäude 1
Raum: Raum 2.009
Datum: 26.02.2019 09:00 – 10:30
Zuletzt geändert: 11.01.2019

Abstract


Der Nationale Pakt für Ausbildung (Bundesagentur für Arbeit 2010) weist als Kriterien der Ausbildungsreife sowohl Hard Skills als auch Soft Skills aus. Im Gegensatz zu den Hard Skills, die beispielsweise in den PISA-Studien erhoben werden, stehen Soft Skills weniger im Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung. Demgegenüber wird der Mangel an „Arbeitstugenden“ (Reibold und Regier 2009) von Seiten der Wirtschaft vielfach hervorgehoben (vgl. Frommberger 2010). In diesem Spannungsfeld steht die allgemeinbildende Schule, die neben fachlichen Inhalten auch Soft Skills vermitteln bzw. weiterentwickeln soll (vgl. auch Rohlfs et al. 2008).

Mit dem Lernarrangement Schülerfirma werden viele Hoffnungen und Erwartungen verbunden. So wird vielfach die berufsorientierende Funktion  der Schülerfirma betont(vgl. Knab 2007). Auch wenn es dazu derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt, so kann vermutet werden, dass die reale Marktteilnahme von Schülerfirmen und das Arbeiten unter Ernstbedingungen zu einem vertieften Einblick in die Bedeutung von Soft Skills führt (vgl. Knab 2007). Im Rahmen des Forschungsvorhabens zu den Vorstellungen über Soft Skills von Schülerfirmen-SchülerInnen und LehrerInnen soll an diese Prämisse Anschluss genommen werden.

Jeder Mensch hat Vorstellungen über die unterschiedlichsten Bereiche des Lebens. Dabei können Vorstellungen (vereinfacht) „als Sammlung aller Gedanken zu einem bestimmten“ (Friebel et al. 2013, S. 43) Sachverhalt bezeichnet werden (vgl. u.a. Schoenfeld 1992; Pehkonen 1994). Entgegen des alltäglichen Sprachgebrauchs beziehen sich Vorstellungen nicht nur auf den Bereich des Glaubens (bspw. im Sinne von Gottesvorstellungen), sondern es gibt eine schier unzählbare Fülle an den unterschiedlichsten Vorstellungen. Von diversen Alltagsvorstellungen lassen sich u.a. domänenspezifische Fachvorstellungen abgrenzen, die sich beispielsweise auf einen Professionsbereich beziehen. Vorstellungen über Soft Skills können dabei sowohl als (allgemeine) Alltagsvorstellungen betrachtet werden als auch aus einer domänenspezifischen Sicht. (vgl. Kirchner 2016; Pajares 1992) Da im vorliegenden Forschungsvorhaben Vorstellungen über (berufsrelevante) Soft Skills im Rahmen der Schülerfirma betrachtet werden, liegt hier ein domänenspezifischer (Berufswahlorientierung) bzw. ein fachspezifischer (Wirtschaft-Arbeit-Technik) Fokus vor.

Forschungsleitend ist bei diesem explorativen Forschungsvorhaben die Frage:

Welche Vorstellungen haben Lehrenden und Lernende über Soft Skills und wie unterscheiden sich diese voneinander. Diese Frage lässt sich durch Unterfragen noch weiter konkretisieren: (1) Welche Wissensbestände über Soft Skills haben sowohl Lehrende als auch Lernende einer Schülerfirma? Dazu soll erhoben werden, was Lehrende und Lernende unter dem Begriff Soft Skills (und ähnlichen Begriffen) verstehen und welche ihnen bekannt sind. Darüber hinaus soll erforscht werden, (2) welche Bedeutung den Soft Skills zugemessen wird. Die Erhebung über die Bedeutung der Soft Skills soll sich dabei sowohl auf die Arbeitswelt als auch auf die Schule und konkret auf die Schülerfirma beziehen. (3) Welches Potenzial sehen Lehrende und Lernende im Lernarrangement Schülerfirma bezüglich der Entwicklung von Soft Skills? Aus pädagogischer Sicht scheint es interessant zu sein, wie SchülerInnen einer Schülerfirma die Entwicklung ihrer eigenen als auch die Entwicklung von Soft Skills der anderen Schülerfirma-SchülerInnen wahrnehmen und dementsprechend das Förderpotenzial der Schülerfirma einschätzen.

Zur Schließung der Forschungslücke hat das vorliegende Forschungsvorhaben einen explorativen Charakter und legt ein qualitatives Forschungsdesign nahe (vgl. Niebert und Gropengießer 2014; Mayer 2012). Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde das Leitfadengestützte Interview (nach Witzel 1985) als Erhebungsmethode ausgewählt. Nach Transkription der Interviews sollen die Transkripte mittels induktiver Kategorienbildung (vgl. Mayring 2015) ausgewertet werden. Ziel dieser Arbeit ist somit ein umfassenderes Bild über die Vorstellungen von LehrerInnen und SchülerInnen über Soft Skills zu erhalten und damit auch die Grundlage für weiterführende Forschungsvorhaben zur Optimierung der Schülerfirma zu legen.

An das Tagungsthema anknüpfend stellt sich zudem die generelle Frage, inwieweit die Ausgestaltung der Schülerfirma Aspekte der Freiheit berücksichtigt. Beispielsweise ist zu hinterfragen, wie frei die Schülerfirmenarbeit gestaltet ist bzw. wie der Grad der Selbstständigkeit und Mitgestaltungsfreiheit der SchülerInnen empfunden wird. Durch eine gezielte Auswertung der Begleitfragebögen sowie der Interviewtranskripte sollen auch dazu erste Erkenntnisse vorgestellt werden.

 

Literaturverzeichnis

Bundesagentur für Arbeit (2010): Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland 2010 – 2014. Online verfügbar unter http://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mdk5/~edisp/l6019022dstbai392003.pdf , zuletzt geprüft am 05.06.2014.

Friebel, Stephan; Kirchner, Vera; Loerwald, Dirk (2013): Der regionale Wirtschaftsraum als sozialer Aneignungsraum für Schülerinnen und Schüler. Konzeptionelle Überlegungen und empirische Befunde. In: Zeitschrift für ökonomische Bildung (2), S. 42–61, zuletzt geprüft am 09.06.2017.

Frommberger, Dietmar (2010): Ausbildungsreife / Ausbildungsfähigkeit beim Übergang von der Allgemeinbildung in die Berufsbildung. Otto-von-Guericke-Universität; Institut für Berufs- und Betriebspädagogik. Magdeburg (Magdeburger Schriften zur Berufs- und Wirtschaftspädagogik). Online verfügbar unter http://www.ibbp.ovgu.de/inibbp_media/downloads/bp/Heft1_2010.pdf , zuletzt geprüft am 09.02.2014.

Kirchner, Vera (2016): Wirtschaftsunterricht aus der Sicht von Lehrpersonen. Eine qualitative Studie zu fachdidaktischen teachers' beliefs in der ökonomischen Bildung. 1. Aufl. 2016. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Knab, Simone (2007): Schülerfirma. Eine Lernform zur Verbesserung der Qualität schulischer Bildung ; Ergebnisse einer empirischen Studie an Berliner Schulen. Tönning [u.a.]: Der Andere Verlag.

Mayer, Horst O. (2012): Interview und schriftliche Befragung. Grundlagen und Methoden empirischer Sozialforschung. 6., überarbeitete Auflage. München: Oldenbourg.

Niebert, Kai; Gropengießer, Harald (2014): Leitfadengestützte Interviews. In: Dirk Krüger, Ilka Parchmann und Horst Schecker (Hg.): Methoden in der naturwissenschaftsdidaktischen Forschung. Berlin, Heidelberg: Imprint: Springer Spektrum (SpringerLink : Bücher), S. 121–132.

Pajares, M. F. (1992): Teachers' Beliefs and Educational Research. Cleaning Up a Messy Construct. In: Review of Educational Research 62 (3), S. 307–332. DOI: 10.3102/00346543062003307.

Pehkonen, Erkki (1994): On Teachers’ Beliefs and Changing Mathematics Teaching. In: JMD 15 (3-4), S. 177–209. DOI: 10.1007/BF03338807.

Reibold, Dieter K.; Regier, Sabine (2009): Training der Schlüsselqualifikationen in Schule und Beruf. Handreichung für Lehrkräfte der Sekundarstufe I sowie für betriebliche Ausbilder in Wirtschaft und Verwaltung. Renningen: expert-Verl (Expert-Taschenbuch, Nr. 108).

Rohlfs, Carsten; Harring, Marius; Palentin, Christian (2008): Bildung, Kompetenz, Kompetenz-Bildung – eine Einführung in die Thematik. In: Carsten Rohlfs (Hg.): Kompetenz-Bildung. Soziale, emotionale und kommunikative Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen. 1. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss, S. 9–19.

Schoenfeld, Alan H. (1992): Learning to think mathematically: Problem solving, metacognition, and sense making in mathematics. In: Douglas A. Grouws (Hg.): Handbook of research on mathematics teaching and learning. A project of the National Council of Teachers of Mathematics. New York [u.a.]: Macmillan, 334-371.

Witzel, Andreas (1985): Das problemzentrierte Interview. In: Gerd Jüttemann (Hg.): Qualitative Forschung in der Psychologie. Grundfragen, Verfahrensweisen, Anwendungsfelder. Weinheim: Beltz, S. 227–255. Online verfügbar unter http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-5630 , zuletzt geprüft am 22.08.2016.


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Berufsorientierung