Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung

Überblick

Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie in unserer letzten Mitgliederversammlung in Dortmund vereinbart, werden wir unsere nächste Jahrestagung an der Universität Landau vom 25. bis 27. Februar 2020 durchführen. Im kommenden Jahr wird neben unserem ehemaligen Vorsitzenden, Herrn Kollegen Günther Seeber, Herr Juniorprofessor Tim Kaiser unser Gastgeber sein. Wir laden Sie zu dieser Konferenz ein und zur aktiven Beteiligung an der inhaltlichen Ausgestaltung mit Ihren Vorträgen, in denen Sie über die neuesten Ergebnisse Ihrer Forschungstätigkeit berichten.

Der Vorstand freut sich, auch in Landau an einem Ort tagen zu können, der es uns erlaubt, uns vom spiritus loci mitnehmen zu lassen. Die Universität Landau ist – obzwar als ehemals Pädagogische Hoch­schule zunächst dazu nicht prädestiniert – einer der ersten Standorte in der Bundesrepublik, an dem der von Heinrich Roth eingeleiteten realistischen Wende und von Wolfgang Brezinka eingeforderten kritisch-rationalen Ausrichtung Rechnung getragen wurde. Einer der beiden Urväter der Pädagogi­schen Diagnostik in Deutschland, Karlheinz Ingenkamp, hatte hier seine Professur und gründete an diesem Ort das Zentrum für empirische pädagogische Forschung (ZepF), an dem nach ihm später profilierte Empiriker wie Peter Nenniger und Reinhold Jäger die Leitung übernommen haben. An der Universität selbst war mit Andreas Helmke bis vor kurzem einer der führenden deutschen Köpfe der internationalen Vergleichsforschung tätig. Nicht zuletzt aber sind auch unsere beiden Gastgeber in unserer Gesellschaft als empirisch profilierte Kollegen bekannt.

Es ist vielen Mitgliedern sicher erinnerlich, dass die Arbeitsgruppe zur Ökonomischen Bildungsfor­schung nicht so viele Mitglieder attrahieren konnte. Das lag gewiss nicht daran, dass es zu wenige Personen gäbe, die sich nicht dieser Forschungslinie verschrieben hätten. Oder die kein Interesse für Empirie in unserem Erkenntnisfeld aufbrächten. Vielmehr ist – jenseits rein methodologischer, also metatheoretischer Fragestellungen – jede Forschung auch Forschung in didaktischen Fragestellungen, in Fragestellungen der finanziellen, unternehmerischen, haushalterischen etc. Erziehung. Und damit bleiben netto unter diesem Stichwort nur die Fragen nach der Erkenntnismethode. Gibt es eigentlich eine originär wirtschaftsdidaktische Methode der Wahrheitssuche, die unsere Disziplin als eine solche auszuweisen vermöchte? Eine Methode, die für Erkenntniszwecke in der Ökonomischen Bildung gestaltet wäre und nur hier sinnvoll anzuwenden wäre? Oder gibt es nur methodische Variationen des allerorten angewandten Instrumentariums? Gibt es immerhin Beiträge unserer Mitglieder zur originären Weiterentwicklung des statistischen und ökonometrischen Messapparates?

Natürlich werden wir konzeptionellen Beiträgen nicht die Tür weisen, doch gibt uns das Rahmenthema zugleich Anlass, uns in einer methodologischen Reflexion unseres Weges zu versichern. Es ist sicher richtig, auf das Erreichte zurückzuschauen und uns zu überlegen, inwieweit wir beispielsweise die Postulate Brezinkas umsetzen und unsere Wissenschaft nach den methodischen Maßgaben des Kritischen Rationalismus betreiben oder ob wir nicht doch im Naiven Positivismus Comtescher Prägung verbleiben – und wie das eine oder das andere für den Erkenntnisfortschritt zu bewerten und einzuordnen wäre.